Quelle: Die Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem WebAIM Million Report 2026, der jährlichen Analyse der Top 1.000.000 Websites durch das WebAIM-Institut der Utah State University.

1. Zu wenig Farbkontrast

Betrifft 79,1% aller Websites. Der mit Abstand häufigste Fehler. Text ist zu schlecht vom Hintergrund zu unterscheiden - hellgrauer Text auf weißem Grund, dunkler Text auf dunklem Hintergrund.

Warum das ein Problem ist: Menschen mit Sehschwäche, ältere Menschen oder jeder der sein Handy bei Sonnenlicht benutzt kann den Text nicht lesen.

WCAG-Anforderung: Normaler Text braucht mindestens 4,5:1 Kontrastverhältnis, großer Text (ab 24px oder 18px fett) mindestens 3:1 (WCAG 1.4.3).

So beheben Sie es: Prüfen Sie Ihre Farben mit unserem Kontrast-Checker. Vermeiden Sie hellgrau auf weiß, verwenden Sie kräftigere Farben oder dunklere Hintergründe.

2. Fehlende Alt-Texte bei Bildern

Betrifft 55,5% aller Websites. Bilder ohne Alternativtext sind für Screenreader-Nutzer unsichtbar. Besonders kritisch: 44% der betroffenen Bilder sind verlinkt - ohne Alt-Text ist die Navigation komplett unbrauchbar.

Warum das ein Problem ist: Blinde Nutzer wissen nicht, was das Bild zeigt oder wohin ein verlinktes Bild führt. Der Screenreader liest stattdessen den Dateinamen vor - "IMG_20240315_143022.jpg" hilft niemandem.

So beheben Sie es: Jedes informative Bild braucht einen beschreibenden Alt-Text. Dekorative Bilder bekommen ein leeres Alt-Attribut (alt=""). Mehr dazu: Alt-Texte richtig schreiben.

3. Leere Links

Betrifft 45,3% aller Websites. Links ohne erkennbaren Text - zum Beispiel ein Icon ohne Beschriftung, ein Bild-Link ohne Alt-Text oder ein Link der nur aus Leerzeichen besteht.

Warum das ein Problem ist: Der Screenreader sagt "Link" - aber nicht wohin. Der Nutzer muss raten.

So beheben Sie es: Jeder Link braucht einen sichtbaren oder per aria-label zugänglichen Text, der das Ziel beschreibt. Statt "Hier klicken" besser "Zur Barrierefreiheits-Checkliste".

4. Fehlende Formular-Labels

Betrifft 44,6% aller Websites. Eingabefelder ohne zugeordnete Beschriftung. Der Nutzer sieht vielleicht einen Platzhaltertext im Feld, aber der Screenreader kann ihn nicht zuordnen.

Warum das ein Problem ist: Ohne Label weiß der Screenreader nicht, was in das Feld eingetragen werden soll. "Eingabefeld" statt "E-Mail-Adresse".

So beheben Sie es: Jedes Eingabefeld braucht ein <label>-Element mit einem for-Attribut das auf die id des Feldes zeigt. Platzhaltertext ersetzt kein Label.

5. Leere Buttons

Betrifft 26,1% aller Websites. Buttons ohne Text - häufig bei Icon-Buttons (Hamburger-Menü, Suche, Schließen-Kreuz) die nur ein SVG oder Bild enthalten.

Warum das ein Problem ist: Der Screenreader sagt "Button" - aber nicht was der Button tut.

So beheben Sie es: Ergänzen Sie ein aria-label-Attribut: <button aria-label="Menü öffnen">. Oder fügen Sie einen visuell versteckten Text ein.

6. Fehlende Dokumentsprache

Betrifft 15,8% aller Websites. Das lang-Attribut auf dem <html>-Element fehlt.

Warum das ein Problem ist: Ohne Sprachangabe weiß der Screenreader nicht, in welcher Sprache er vorlesen soll. Ein deutscher Text wird dann möglicherweise mit englischer Aussprache vorgelesen - unverständlich.

So beheben Sie es: Setzen Sie <html lang="de"> am Anfang Ihrer Seite. Das ist eine Zeile Code.

7. Fehlende oder falsche Überschriften-Struktur

Übersprungene Überschriften-Ebenen (z.B. von H1 direkt zu H3), fehlende H1, mehrere H1 auf einer Seite oder Überschriften die nur zum Styling verwendet werden.

Warum das ein Problem ist: Screenreader-Nutzer navigieren über Überschriften durch die Seite - wie ein Inhaltsverzeichnis. Wenn die Struktur nicht stimmt, finden sie sich nicht zurecht.

So beheben Sie es: Genau eine H1 pro Seite, darunter H2, dann H3. Keine Ebene überspringen. Überschriften nur für tatsächliche Überschriften verwenden, nicht für die Schriftgröße.

8. Fokus-Indikator entfernt

Viele Websites entfernen den Fokus-Rahmen per CSS (outline: none) weil er "hässlich" aussieht.

Warum das ein Problem ist: Tastaturnutzer sehen nicht mehr, welches Element gerade ausgewählt ist. Sie navigieren blind durch die Seite.

So beheben Sie es: Entfernen Sie nie den Fokus-Indikator. Gestalten Sie ihn stattdessen passend zu Ihrem Design - ein gut sichtbarer Rahmen mit ausreichend Kontrast (WCAG 2.4.7, 2.4.11).

9. Keine Tastaturnavigation möglich

Interaktive Elemente die nur per Maus funktionieren - Custom-Dropdowns, Slider, Tabs die mit <div onclick> statt <button> gebaut sind.

Warum das ein Problem ist: Menschen die keine Maus bedienen können (motorische Einschränkungen, Zittern, fehlende Gliedmaßen) können die Website nicht nutzen.

So beheben Sie es: Verwenden Sie native HTML-Elemente (<button>, <a>, <input>) statt <div> mit JavaScript. Native Elemente sind automatisch per Tastatur bedienbar.

10. Automatisch abspielende Inhalte

Videos, Animationen oder Slider die sich ohne Nutzer-Aktion bewegen oder abspielen.

Warum das ein Problem ist: Ablenkung für Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen, Anfallsrisiko bei schnellen Animationen, Audioüberlagerung mit Screenreadern.

So beheben Sie es: Keine automatische Wiedergabe. Wenn Bewegung nötig ist: Pause-Button anbieten und prefers-reduced-motion in CSS respektieren.

Die gute Nachricht

Sechs Fehlertypen verursachen 96% aller gefundenen Probleme (Quelle: WebAIM 2026). Das bedeutet: Wenn Sie die ersten sechs Punkte auf dieser Liste beheben, beseitigen Sie den Großteil aller Barrieren auf Ihrer Website. Die meisten dieser Fehler sind mit wenig Aufwand lösbar - kein teures Redesign nötig.

Prüfen Sie Ihre Website jetzt mit unserer Checkliste oder den kostenlosen Prüftools.

Wie viele dieser Fehler hat Ihre Website?

Finden Sie es in 10 Minuten heraus.

ZUR CHECKLISTE
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt technische Anforderungen der Web-Barrierefreiheit nach WCAG 2.2. Er stellt keine Rechtsberatung dar.