A
A11Y
Abkürzung für "Accessibility" (Barrierefreiheit). Die 11 steht für die elf Buchstaben zwischen dem A und dem Y. Wird in der Fachcommunity als Kurzform verwendet, ähnlich wie i18n für Internationalization.
Alt-Text (Alternativtext)
Kurze Textbeschreibung eines Bildes im HTML-Code (alt="..."). Wird von Screenreadern vorgelesen und angezeigt wenn das Bild nicht geladen werden kann. Pflicht nach WCAG 1.1.1 für alle informativen Bilder. Mehr dazu: Alt-Texte richtig schreiben.
ARIA (WAI-ARIA)
Accessible Rich Internet Applications. Ein W3C-Standard der HTML-Elementen zusätzliche Bedeutung gibt, die Screenreader und andere Hilfstechnologien verstehen. Beispiele: aria-label (unsichtbare Beschriftung), aria-expanded (aufgeklappt/zugeklappt), role (Rolle eines Elements). ARIA sollte nur verwendet werden wenn natives HTML nicht ausreicht.
Assistive Technologie
Sammelbegriff für Hilfsmittel die Menschen mit Behinderungen die Nutzung von Computern und Websites ermöglichen. Dazu gehören Screenreader, Bildschirmlupen, Augensteuerung, Mundmaus, Spracherkennung und spezielle Tastaturen.
B
Barrierefreiheitserklärung
Dokument auf einer Website das den Stand der Barrierefreiheit dokumentiert, bekannte Einschränkungen benennt und einen Kontakt für Barriere-Meldungen angibt. Für BITV-pflichtige Stellen ist sie vorgeschrieben, für BFSG-pflichtige Unternehmen empfohlen. Mehr dazu: Barrierefreiheitserklärung erstellen.
BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz)
Deutsches Gesetz das seit 28. Juni 2025 gilt. Verpflichtet private Unternehmen zur Barrierefreiheit bei bestimmten verbrauchergerichteten Dienstleistungen (z.B. Online-Shops). Setzt den European Accessibility Act um. Mehr dazu: BFSG erklärt.
BITV 2.0 (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung)
Deutsche Verordnung die öffentliche Stellen des Bundes zur digitalen Barrierefreiheit verpflichtet. Fordert neben technischer Barrierefreiheit auch Inhalte in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache. Mehr dazu: BITV 2.0 erklärt.
C
CAPTCHA
Test der Menschen von Computern unterscheiden soll (z.B. "Wählen Sie alle Bilder mit Ampeln"). Oft ein massives Barrierefreiheits-Problem: Bild-CAPTCHAs sind für Blinde nicht lösbar, Audio-CAPTCHAs für Gehörlose nicht. WCAG 2.2 fordert barrierefreie Alternativen (3.3.8 Accessible Authentication).
Kontrastverhältnis
Zahlenwert der den Helligkeitsunterschied zwischen zwei Farben beschreibt. Reicht von 1:1 (kein Kontrast) bis 21:1 (Schwarz auf Weiß). WCAG fordert mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text. Mehr dazu: Farbkontraste und Barrierefreiheit.
E
EAA (European Accessibility Act)
EU-Richtlinie 2019/882 die einheitliche Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen in der EU definiert. In Deutschland umgesetzt durch das BFSG.
EN 301 549
Europäische Norm für Barrierefreiheitsanforderungen an IKT-Produkte und -Dienstleistungen. Sowohl BFSG als auch BITV 2.0 verweisen auf diese Norm. Für Web-Inhalte übernimmt sie die Anforderungen der WCAG.
F
Fokus / Fokus-Indikator
Der Fokus zeigt an, welches Element gerade per Tastatur ausgewählt ist (typischerweise durch einen sichtbaren Rahmen). WCAG 2.4.7 fordert, dass der Fokus immer sichtbar ist. WCAG 2.4.11 (neu in 2.2) fordert zusätzlich, dass der Fokus nicht durch andere Elemente verdeckt wird.
K
Keyboard Trap (Tastaturfalle)
Ein Element aus dem man per Tastatur nicht mehr herauskommt. Häufig bei schlecht programmierten Modals, Video-Playern oder Widgets. WCAG 2.1.2 verbietet Tastaturfallen ausdrücklich.
L
Leichte Sprache
Vereinfachte Form der deutschen Sprache mit kurzen Sätzen, einfachen Wörtern und Erklärungen für Fachbegriffe. Von der BITV 2.0 für öffentliche Stellen vorgeschrieben. Nicht zu verwechseln mit "Einfacher Sprache" die weniger streng reguliert ist.
P
PDF/UA
ISO-Standard 14289 für barrierefreie PDF-Dokumente. Definiert Anforderungen an Tags, Struktur, Alt-Texte und Lesereihenfolge in PDFs. Wird mit dem Matterhorn-Protokoll geprüft. Mehr dazu: Barrierefreie PDFs erstellen.
R
Reflow
Die Fähigkeit einer Website, sich an schmale Bildschirme oder hohe Zoomstufen anzupassen ohne horizontales Scrollen zu erfordern. WCAG 1.4.10 fordert Reflow bis 320 CSS-Pixel Breite (entspricht 400% Zoom auf einem 1280px-Bildschirm).
S
Screenreader
Software die den Bildschirminhalt vorliest. Nutzt die semantische Struktur der Website (Überschriften, Links, Formulare, ARIA-Attribute) um durch die Seite zu navigieren. Verbreitete Screenreader: NVDA (Windows, kostenlos), JAWS (Windows, kommerziell), VoiceOver (macOS/iOS, integriert), TalkBack (Android, integriert).
Skip-Link
Ein Link am Anfang der Seite der Tastaturnutzern erlaubt, direkt zum Hauptinhalt zu springen und die Navigation zu überspringen. Gefordert von WCAG 2.4.1. Typischerweise erst sichtbar wenn er den Fokus erhält.
T
Tag (PDF)
Unsichtbare Strukturmarkierung in einem PDF-Dokument. Tags definieren was eine Überschrift ist, was ein Absatz, eine Liste oder ein Bild. Ohne Tags ist ein PDF für Screenreader ein unstrukturierter Textblock. Siehe auch: PDF/UA.
W
WCAG (Web Content Accessibility Guidelines)
Der international anerkannte Standard für Web-Barrierefreiheit, entwickelt vom W3C. Aktuelle Version: WCAG 2.2 (seit Oktober 2023). Definiert Anforderungen in drei Stufen: A (Minimum), AA (empfohlen, gesetzlich gefordert), AAA (höchstes Niveau). Basiert auf vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust. Mehr dazu: WCAG 2.2 erklärt.
W3C (World Wide Web Consortium)
Die internationale Organisation die Web-Standards entwickelt - darunter HTML, CSS und die WCAG. Die Web Accessibility Initiative (WAI) ist der W3C-Bereich der sich mit Barrierefreiheit befasst.